Wienlive lädt zur „Reise in das Innere von Wien“ nach Gerhard Roths berühmtem Essayband. Der Auftaktveranstaltung am 22. September (19 Uhr) im Blindeninstitut wird der Dichter persönlich beiwohnen und Fragen von Kristina Pfoser (Ö1) beantworten. Gerhard Roth ist einer der erstaunlichsten Schriftsteller unserer Zeit“, schrieb kürzlich das renommierte Hamburger Wochenblatt „Die Zeit“. Denn: „Seit mehr als zwanzig Jahren schreibt er an einem gewaltigen Prosawerk, dem nichts Vergleichbares zur Seite steht.“ Im Mittelpunkt seiner beiden berühmten Roman-zyklen „Die Archive des Schweigens“ und „Orkus“ steht dabei immer wieder Wien. Gerhard Roth, der unweit der ehemaligen Wohnung von Ingeborg Bachmann in Erdberg zu Hause ist, hat in seinem Werk stets auch das abgründige, weniger bekannte Wien erforscht. Deshalb hatten wir von Wien?live nun die Idee, eine etwas andere Veranstaltungsreihe zu konzipieren. Wir wollen mit Gerhard Roths Essaybänden „Eine Reise in das Innere von Wien“ und „Die Stadt – Entdeckungen im Inneren von Wien“ als „Reiseführer“ unser Wien besser kennen lernen und natürlich auch in die komplexe und eindringliche Literatur des Dichters eintauchen. Bei der ersten Station am 22. September, 19 Uhr, wird Gerhard Roth selbst anwesend sein, denn das Blindeninstitut in der Wittelsbachstraße 5 im 2. Wiener Gemeindebezirk, gleich neben dem Prater, ist ihm durch seine Besuche ans Herz gewachsen. 150 Schülerinnen und Schüler lernen hier neben dem „normalen“ Lehrstoff auch spezielle Fertigkeiten, wie sie Sehbehinderte brauchen: Das reicht vom Einkauf in einem Supermarkt bis zum Lesen in Brailleschrift – auch am Computer. eine führung durch die welt der blinden. Bei der Vorbesprechung zur Veranstaltung zeigte uns Erich Schmid, Lehrer am Bundesblindenerziehungsinstitut, „sein“ Haus. Dass er von Geburt an blind ist, war dabei kein Hindernis. Schmid – der auch in Gerhard Roths Essay „Nachtschrift“ beschrieben wird – kennt jeden Winkel ganz genau und weiß als Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit viel Erstaunliches über die Arbeit am Institut zu berichten. Wir sehen etwa Landkarten und Globen, bei denen die Umrisse der Länder zu ertasten sind, eine Korbflechterei, aber auch ein Atelier, in dem Blinde und Sehbehinderte Bilder mit erstaunlicher expressiver Kraft malen. Das Blindeninstitut wurde vom Juristen Johann Wilhelm Klein bereits 1804 gegründet und war – nach Paris – weltweit erst die zweite derartige Einrichtung. Das Haus in der Wittelbachstraße existiert seit 1898, allerdings gab es viele Zubauten, denn 50 der Schüler des Instituts sind inzwischen in einem Internat untergebracht. Das programm am 22. september. Wer zum Wienlive-Event ins Blindeninstitut kommt, darf ein einzigartiges Programm erwarten. Durch den Abend führt die Roth-Kennerin und Germanistin Kristina Pfoser, Redakteurin bei Ö1. Sie wird die Einleitung sprechen und den Autor auf der Bühne über sein Werk und seine Verbindung zu Wien befragen. Erich Schmid bereitet mit Schülerinnen und Schülern ein künstlerisches Begleitprogramm vor. Es wird Chor- und Klaviermusik sowie eine kleine Lesung des Textes von Gerhard Roth in Braille-Schrift geben. Wer Lust hat, kann danach auch noch das hauseigene Blindenmuseum besuchen, in dem zahlreiche Exponate die Geschichte der Blindenerziehung dokumentieren. Zu sehen gibt es auch Bücher in Brailleschrift, Eingabegeräte und Computer für Blinde. Die nächste Station unserer „Reise“ wird übrigens im Oktober zur Künstlerkolonie in Gugging führen.