"Der Durchblick" - Mitteilungen des ÖBSV


Durchdacht

Arzneimittel-Serviceline: Kein Anschluss unter dieser Nummer!

Die meisten Arzneimittelpackungen sind mit Braille-Schrift versehen. Damit können blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen das richtige Medikament durch Ertasten erkennen. Dies hilft, lebensgefährliche Verwechslungen zu vermeiden. Doch was ist mit den Beipacktexten?

In Deutschland wurde dieser Tage eine Patienteninfo-Service Website in Betrieb genommen, auf der Beipacktexte als PDF-Dateien, im Großdruck, als Audiodateien und sogar als gepacktes Daisy-Buch aus dem Internet heruntergeladen werden können. Dieses System hat die Nachteile, dass die Patienteninformationen für ältere Menschen (die noch nicht der Computergeneration angehören) nicht barrierefrei zugänglich sind; und dass noch nicht alle Arzneimittelhersteller ihre Daten einspeisen und somit noch eine Reihe von Medikamenten fehlt.

In Österreich hätte die entsprechende EU-Richtlinie für einen barrierefreien Zugang zu Informationen der Medikamenten-Beipacktexte schon vor fünf Jahren umgesetzt werden müssen. Hier einigte man sich auf eine telefonische Serviceline, die in Tirol bereits erfolgreich getestet wurde. Vor fast acht Monaten wurde im Nationalrat folgender Entschließungsantrag für eine österreichweite kostenlose Arzneimittel-Hotline für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen einstimmig beschlossen: "Die Bundesregierung und insbesondere der Bundesminister für Gesundheit werden aufgefordert, umgehend eine österreichweite kostenfreie Servicenummer für Gebrauchsinformationen zu Arzneispezialitäten zu installieren." Im Gesundheitsministerium liegt zwar seit geraumer Zeit ein ausgereiftes Projekt, doch die Genehmigung oder gar die praktische Umsetzung lassen weiter auf sich warten. Der ÖBSV hat daher vor kurzem bei den Behindertensprecherinnen und -sprechern der politischen Parteien nachgefragt, wie weit die Umsetzung ihres einstimmigen Beschlusses bereits gediehen ist. Bis zum Redaktionsschluss dieser Durchblick-Ausgabe Mitte Juli gab es keine Reaktion.

Ende Juli werde ich in einem persönlichen Gespräch mit Gesundheitsminister Alois Stöger die Installierung der Serviceline erneut einfordern.

Bis dahin heißt es: Arzneimittel-Hotline: Kein Anschluss unter dieser Nummer!

[Foto: Mag. Gerhard Höllerer, Präsident des ÖBSV]

 

Zum Inhaltsverzeichnis    Nächster Artikel