Sie sind in: Startseite BBI / Verlag / / Blindenschrift / Texterstellung

Produktion von Blindenschrift

Die Themen:

Kurz notiert

Der Blindenschriftverlag am Bundes-Blindenerziehungsinstitut wurde im Jahre 1893 gegründet, ist also schon über 100 Jahre alt. Das ursprüngliche Aufgabengebiet, nämlich die Herstellung von Texten für den Unterricht an der Blindenschule sowie generell die Bereitstellung von Lesestoff - von Kurznachrichten über Zeitschriften bis hin zur Literatur - hat sich bis heute schwerpunktmäßig erhalten.

Neben der traditionellen Erzeugung von Punktschrift versuchen auch wir, den modernen Anforderungen gerecht zu werden und bieten eine Reihe von Texten, soferne dies urheberrechtlich erlaubt ist, auch auf Diskette an. Darüber hinaus arbeiten wir daran, uns mehr und mehr für Auftragsarbeiten seitens öffentlicher und privater Stellen zu öffnen, wobei uns die Möglichkeit der digitalen Speicherung von Texten sehr entgegenkommt.


Texterstellung

Computertastatur mit Braillezeile

Alle Texte, die wir drucken - seien es nun Zeitschriften oder Bücher -, werden fast ausschließlich computerunterstützt erzeugt. Das Geschriebene wird auf der Braillezeile, die als Bildschirmersatz dient, kontrolliert. Als zusätzliche Unterstützung gibt es noch eine synthetische Sprachausgabe.


Als Vorlage dient das Schwarzschriftbuch. Dieses wurde früher mit allen Satzzeichen und Textformatierungen auf Mikrokassetten diktiert und in den Computer eingetippt. Heute werden Vorlagen, soferne sie sich dazu eignen, meist eingescannt.
Danach folgt die Übersetzung in Blindenvoll- oder -kurzschrift mit der Programmkette HBS (Hagener Braille System).

Einige Texte (z.B. das Radioprogramm) werden direkt in Blindenkurzschrift eingetippt, weil die vielen speziellen Zeichen und Abkürzungen das Übersetzungsprogramm ziemlich "irritieren" würden.


Korrektur

Eine Arbeit, die trotz (oder gerade wegen) moderner Produktionstechniken nicht wegzudenken ist, ist das Korrekturlesen. Dies geschieht - je nach Geschmack des Korrektors - entweder direkt am Computer (mit Braillezeile) oder auf Papier - auf jeden Fall aber bereits in Blindenschrift. Besonders wichtig ist es dabei, dass man noch so einfache (oder auch nicht sehr interessante) Texte mit höchster Konzentration Zeichen für Zeichen überprüft. Während einiger Sekunden Ablenkung (durch Telefon, Anfragen oder abwandernde Gedanken) könnten schon mehrere Fehler der Aufmerksamkeit entgehen.


Das Layout

Vor allem in Sachbüchern und Lerntexten spielt eine gute Strukturierung eine wesentliche Rolle, ja sie ist geradezu unverzichtbar. Neben Inhaltsverzeichnis, Fußzeilenindex und verschiedenen Absatzformaten finden sich normalerweise in Dokumenten noch unterschiedliche Schriftarten und Schriftgrößen sowie Schriftattribute.
In Blindenschrift fallen viele dieser Gestaltungselemente weg; aber gerade darum bedarf es einer guten Konzeption. Größere Abstände, Einrückungen, Mittestellungen, Umrandungen und ähnliche Strukturelemente ersetzen Farb- und Schriftauszeichnungen.
Auch der blinde Mensch hat mit seinen Händen die Möglichkeit einen Text im "Überblick" zu erfassen, ohne ihn zu lesen. Darum spielt in der Produktion von Punktschriftbüchern auch das Layout keineswegs eine untergeordnete, sondern eher eine primäre Rolle - ähnlich wie beim barrierefreien Internet.


Druck und Bindung

Um ein Buch in Blindenschrift auf Papier auszudrucken, gibt es zwei Methoden:

  1. Der Text wird (seriell) an eine Spezialmaschine gesendet, welche doppelte Metallplatten erzeugt. Diese werden dann in eine Tiegelpresse (vergleichbar mit einem überdimensionierten Toaster) eingespannt und zwischen die beiden Metallplatten Papier eingelegt, auf das durch Druck die Punkte übertragen werden.
  2. Eine modernere Methode ist die Übertragung des Textes vom Computer direkt zu einem Schnelldrucker.
Schnelldrucker

Während man von einer Metallvorlage noch einen Probeabzug zwecks Korrektur machen kann, lassen sich die einzelnen geprägten Punkte beim Schnelldrucker nicht mehr kontrollieren.
Der Schnelldrucker hat jedoch den unbestrittenen Vorteil, dass die Exemplare bereits richtig geordnet und fertig für die Heftung sind, sobald sie den Drucker verlassen. Mit der Tiegelpresse musste jeder Bogen einzeln gedruckt, gestapelt und von Hand zu einem fertigen Exemplar zusammengefügt werden.


Die fertigen Bücher oder Zeitschriften werden entweder geheftet (wie etwa die Jugendzeitschriften) oder gebunden (wie Bücher). Auf Wunsch fertigen wir auch Ringbindungen an. - Zurück

Textanfang / Startseite des Verlags / Startseite des BBI