Sommersemester 2001 LA für Informatik an Pflichtschulen Seminararbeit Der sehbehinderte/blinde Mensch im digitalen Alltag Edith Panzer Untere Hauptstraße 49 2473 Deutsch-Haslau Bundes-Blindenerziehungsinstitut Wittelsbachstraße 5 1020 Wien Inhaltsverzeichnis A. EINFÜHRUNG: 2 Alle Sinne einsetzen 2 B. ORIENTIERUNG UND MOBILITÄT 3 1. HILFSMITTEL IM ÖFFENTLICHEN BEREICH 3 a. Technische Geräte 3 b. Normung als Hilfe: 3 2. HILFSMITTEL FÜR DEN PRIVATEN BEREICH 3 C. KOMMUNIKATION – ELEKTRONISCHE HILFSMITTEL 5 1. EVA-PRINZIP 5 2. PAPIERLOSE TEXTSPEICHERGERÄTE FÜR BLINDE; 6 3. BRAILLE-TASTATUREN; 7 4. TEXTERKENNUNGSSYSTEME 7 5. SCREEN READER 8 6. BRAILLEZEILEN 9 7. SPRACHAUSGABEN 10 8. BRAILLEDRUCKER 10 9. GROßSCHRIFTAUSGABE DES COMPUTERBILDSCHIRMS 11 10. BILDSCHIRMLESEGERÄTE 12 11. SEHGESCHÄDIGTENSPEZIFISCHE SOFTWARE 12 D. ELEKTRONISCHE HILFSMITTEL ZUR VERGRÖßERTEN BILDWIEDERGABE FÜR SEHBEHINDERTE 13 E. ELEKTRONISCH ZUR VERFÜGUNG GESTELLTE INFORMATION 15 a. Hörfunk, Fernsehen und Printmedien: 16 b. Elektronische Tageszeitung: 16 c. Videotext - Teletext: 16 d. Fernschreiben - Telex: 16 e. Fernkopierer Telefax: 16 f. Internet 18 F. LITERATUR 18 G. ORGANISATIONEN 18 A. Einführung: Der Sehsinn ermöglicht eine wesentliche Erweiterung unseres Erfahrungsraumes und stellt aber auch gleichzeitig das wichtigste "Abstraktionsinstrument" dar. Der optisch erfasste Gegenstand zeigt Sachverhalte oder Zusammenhänge auf. Die Umwelt wird dadurch selektiver betrachtet und damit für den Einzelnen "informativer". Gesetzmäßigkeiten und Ordnungsstrukturen können damit rascher erkannt werden. Die hervorragende Bedeutung des Sehsinnes findet ihren direkten Niederschlag in der zivilisatorischen und kulturellen Entwicklung des Menschen. Nicht zuletzt im sozialen Zusammenleben spielt das optische Signal eine zentrale Rolle. Liegt eine Einschränkung des Sehsinnes vor bzw. fehlt dieser überhaupt, so müssen der verbliebene Sehrest bzw. die Restsinne die Erfassung der Raumstrukturen übernehmen. Besonders dem Hörsinn kommt dann eine zentrale Bedeutung zu, da er als einziger eine weitere räumliche Erfassung zulässt. Alle Sinne einsetzen Die wichtigste Hilfe für den blinden Menschen kommt aus dem Körper selbst. Über das Gehör (Echo-Prinzip) kann der Blinde relativ große, sich in seiner Nähe befindliche Objekte wahrnehmen und Aufschluss über Bewegungen (Menschen und Fahrzeuge) in seiner Umgebung bekommen. Mit den Füßen ertastet der Blinde die wechselnde Beschaffenheit des Untergrunds; der Langstock als verlängerte Hand bringt zusätzliche Tasteindrücke. Der Geruchssinn "zeigt an", wo sich z.B. in einer Wohnung die Küche befindet oder ein markant riechendes Geschäft in einer Straße. Über den Hautsinn können z.B. anhand von Luftbewegungen oder Temperaturunterschiede zusätzliche Informationen über die Umgebung gewonnen werden. Dem Sehbehinderten hilft, je nach den Lichtverhältnissen, sein Sehrest. B. Orientierung und Mobilität 1. Hilfsmittel im öffentlichen Bereich a. Technische Geräte Mobilitätshilfen sind elektronische Geräte unterschiedlicher Art, die akustisch oder taktil vor Gegenständen warnen, die sich in Laufrichtung oberhalb des Stockes befinden. Ultraschallgeräte: Hindernisse werden durch den Empfang der Reflexion des ausgesendeten Ultraschalls "erkannt" und akustisch oder durch Vibration angezeigt. Manche Geräte geben durch Geräusche Aufschluss über die Oberfläche von Objekten. Verwendet werden Brillen und auf dem Langstock montierte oder auf der Brust bzw. in der Hand getragene Geräte. Lasertechnik: Der Laserstock teilt durch Vibration von Teilen der Krücke Hindernisse in verschiedenen Höhen (Boden, Körpermitte, Kopfbereich) mit. b. Normung als Hilfe: Normen für Behinderte sind ein Weg, die Öffentlichkeit auf bestehende Missstände und daraus resultierende Bedürfnisse hinzuweisen. Schwerpunkte der Normungsarbeit können sein: ? akustische Signale bei Ampeln, ? taktile Leitlinien in öffentlichen Verkehrsflächen. Im österreichischen Normungsinstitut beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Bearbeitung dieser Normen für Sehgeschädigte. 2. Hilfsmittel für den privaten Bereich Haushalt und lebenspraktische Fertigkeiten: Uhren: Es gibt z. B. Armbanduhren - entweder mit Zeiger und tastbaren Punkten (analog) oder mit Sprachausgabe oder großer Anzeige (digital) und vielen bei "normalen" Digitaluhren üblichen Möglichkeiten -, Stoppuhren, Kurzzeitmesser für die Küche (mit Punktmarkierungen, großer Anzeige oder Sprachausgabe), Wecker, Radiowecker (mit großer Anzeige oder Sprachausgabe). Waagen: zB sprechende Personenwaagen oder Waagen mit tastbarer Markierung oder Großschriftanzeige Thermometer: Fieberthermometer mit Sprachausgabe oder mit Punktmarkierungen, Außen- und Innenthermometer mit großer Anzeige und Sprachausgabe Blutdruckmessgerät: mit Sprachausgabe Blutzuckermessgerät: Gerät mit Sprachausgabe zur Bestimmung des Blutzuckers Außen- und Innenthermometer Taubblindentelefon: (Schreibtelefon) mit Brailleausgabe. Taschenrechner: Aufgrund der Ausgabe unterscheidet man Taschenrechner mit: Großschriftanzeige, Sprachausgabe und mit Braillezeile. Daneben gibt es Computerprogramme, welche den Lautsprecher des Computers zur Sprachausgabe benutzen oder eine Sprachausgabe über die serielle Schnittstelle ansprechen. In papierlose Textspeichergeräte können Rechenprogramme implementiert werden. C. Kommunikation – elektronische Hilfsmittel 1. EVA-Prinzip Arbeitsplatz eines blinden Schülers Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe. Auf diesem Prinzip beruht die Arbeit elektronischer Geräte. Über die Tastatur werden z. B. Daten in den Computer eingegeben, vom Computer verarbeitet und auf den Bildschirm, einen Drucker, auf Diskette oder Festplatte oder über die serielle Schnittstelle ausgegeben. In manchen Blindenhilfsmitteln sind alle drei Teile des Prinzips verwirklicht (z.B. papierlose Textspeichergeräte), andere Hilfsmittel sind auf einen bestimmten Teil des Prinzips spezialisiert (z.B. Brailletastaturen, Brailledrucker). Software-Lösung: Ein Programm bleibt im Speicher des Computers resident, "beobachtet" die Veränderungen am Bildschirm und gibt die Informationen über die serielle oder parallele Schnittstelle an das Hilfsmittel für Sehgeschädigte. Da sowohl die serielle als auch die parallele Schnittstelle "durchgeschleift" werden können, bleibt die benützte Schnittstelle bei vielen Lösungen verfügbar. Gemischte Hard- und Software-Lösung: Eine Steckkarte wird in den Computer geschoben (über ihren Anschluss werden die Daten an das Hilfsmittel für Sehgeschädigte ausgegeben), aber zusätzlich muss ein Programm gestartet werden. 2. Papierlose Textspeichergeräte für Blinde; Es handelt sich um transportable Geräte mit einer Braille-oder Schwarzschrifttastatur zur Eingabe, einem Arbeitsspeicher zur Bearbeitung des Materials und unterschiedlichen Ausgabeformen, z.B. Braillezeile, Sprachausgabe, Möglichkeit des Abspeicherns auf Diskette. Textspeichergerät mit Brailletastatur, Arbeitsspeicher und Braillezeile Diese Geräte wurden konstruiert und gefertigt, damit blinde Menschen mit einem Hilfsmittel Daten an verschiedenen Orten elektronisch verarbeiten können. Ihre Oberfläche ist leicht bedienbar. Es gibt auch Geräte, die ähnlich gestaltet sind wie „Organizer". Tragbare Computer mit Braillezeile können ebenfalls zur Abdeckung dieser Bedürfnisse herangezogen werden. 3. Braille-Tastaturen; Brailletastaturen existieren heute praktisch nur mehr in der Auslegung für 8-Punkt- Eingabe, doch ist die Umschaltung auf 6-Punkt-Eingabe möglich. Je nach Tastaturtyp sind unterschiedliche Möglichkeiten vorgesehen, Steuerbefehle wie z. B .Zeilenschaltung auszuführen. Bei den heute üblichen Software-Lösungen wird die Tastatur über die serielle Schnittstelle mit dem Computer verbunden. Ein speicherresidentes Programm setzt die Anschläge in Zeichen um. Bei diesen Software-Lösungen werden durch ein speicherresidentes Programm die Tasten ASDF und JKLÖ zu den Tasten für die 8 Braillepunkte. Es hängt von der Software ab, welche Tasten der Computertastatur dann noch benützbar sind. Ein Hin- und Herschalten zwischen Braille- und Normaltastaturbetrieb ist wünschenswert. 4. Texterkennungssysteme Sie bestehen aus fünf relativ unabhängigen Bestandteilen: 1. Rechner (Pentium-PC) 2. Scanner (zum EDV-Erfassen der Vorlage) (Flachbett-/Handscanner) 3. Schrifterkennungsprogramm OCR (zum Erkennen der Buchstaben) 4. Synthetische Sprachausgabe (Umsetzung des Textes synthetisch) 5. Bedienelement (steuert Scan-Voreinstellungen, Lesemodus, u. a.) Es werden zwei Ausführungen unterschieden: ? "geschlossen": Es ist kein Computer erkennbar/anschließbar, die Bedienung erfolgt bequem über eine Spezial-Tastatur. ? "offen": Computer mit extern angeschlossenem Scanner; auch die Sprachausgabe ist im Computer integriert und kann genutzt werden. Diese Geräte machen Blinden auf Papier ausgedrucktes Material zugänglich, indem die Vorlage mit einer Kamera oder einem Scanner (Einzugs- oder Flachbettscanner) abgetastet, das Material verarbeitet und anschließend ausgegeben wird. Die Verarbeitung und Ausgabe besorgt in manchen Fällen das Blindenhilfsmittel selbst (wobei das Material zu einem Computer überspielt werden kann), in anderen Fällen der Computer. 5. Screen Reader Ein "Screen Reader" (SCR) klinkt sich in die für die Bildschirmausgabe zuständige Software ein und interpretiert diese. Er wandelt die Informationen so um, dass sie mit Zeile oder Sprache gut erfassbar werden. Das Ergebnis wird für den PC-Benutzer auf Braillezeile (BRZ), als Sprachausgabe (SPR) oder in Großschrift (GRS) bereitgestellt. Ein "Screen Reader" (SCR) 'liest' den jeweils aktuellen Bildschirminhalt und interpretiert ihn, ganz ähnlich wie ein Scanner Schwarzschrift liest und durch Erkennungssoftware interpretiert. Das Ergebnis wird für den PC-Benutzer auf Braillezeile (BRZ), als Sprachausgabe (SPR) oder in Großschrift (GRS) bereitgestellt. Während man (ASCII-) Texte aus Dateien (oder aus der Windows-Zwischenablage) auch ohne Screen Reader an BRZ oder SPR weitergeben kann, braucht man für Menüs, Fenster, Auswahlboxen, Icons usw., d. h. die gesamte Steuerung und Bedienung des PC, eine solche "Übersetzung". Unter MS-DOS (mit fester Bildschirm-Struktur aus ASCII-Zeichen) war diese Umsetzung noch recht einfach und eindeutig; für graphische Benutzeroberflächen wie Windows ist die Übersetzung der Bildschirminhalte in Sprache oder Braillezeichen nicht mehr direkt und nicht eindeutig möglich. Für Vollblinde kann eine völlige Reduzierung auf die logische "Baum-Struktur" der Menüs sinnvoll sein, für viele Anwender mit Sehrest soll nur die optische Darstellung verbessert werden. Technische Hinweise und Unterscheidungsmerkmale: Die meisten heutigen Screen Reader (SCR) sind einsetzbar für die Weitergabe des Bildschirminhalts an BRZ und SPR, ggf. auch an GRS. Wichtig dabei ist, dass dies bei gleichzeitiger Nutzung koordiniert erfolgt: Der SCR muss das vorlesen lassen, was gerade sichtbar ist, usw. Manche Screen Reader sind nur für Geräte bestimmter Firmen geeignet. 6. Braillezeilen Computer-Tastatur mit Braillezeile Die Braillezeile ist eine meist vor der Tastatur angeordnete Leiste. Elektronisch erzeugte und gesteuerte Braille-Buchstaben "durchlaufen" die Leiste; die 6- oder 8- Punkt- Elemente der BRZ heißen "Module". Dargestellt wird im Allgemeinen eine (ASCII-) Textzeile vom Bildschirm. Zusätzliche Steuer-Module am Zeilen-Anfang erleichtern die Orientierung auf dem Bildschirm, die Bedienung/Nachführung des Cursors und anderes mehr. Soll mit der BRZ nicht nur Text gelesen werden, sondern auch am PC mit Software gearbeitet werden, so ist i. A. zur Steuerung zusätzlich ein Screen Reader erforderlich. Es gibt die 6-Punkt oder 8-Punkt-Darstellung. Die 8-Punkt-Darstellung ist für erweiterten Zeichensatz am PC: "Eurobraille". 7. Sprachausgaben Die Hauptbestandteile von Sprachausgaben (SPR) sind: Stimmerzeugung, Bedienungssteuerung (Hard-/Software) und Lautsprecher. Varianten: ? Technische Ausführung: externe Box (an PC-Schnittstelle), Steckkarte für PC oder für Laptop), Software (für Soundkarte) ? Bedienung über: Tastatur, Bildschirm/Maus oder Extra-Bedienbox). ? Vorlesen von gedrucktem Text: in Kombination mit Scanner und einem Schrifterkennungsprogramm als "Textlesesystem" ? Vorlesen des Bildschirminhalts (Menüs, nicht nur Text) Neben der Verwendung von Sprachausgabe für Geräte des privaten Bereiches gibt es auch Systeme, welche über die serielle oder parallele Schnittstelle oder von einer Steckkarte angesteuert werden. Sprachausgaben können daher im Bereich der Elektronik unter anderem zur Kontrolle von Schreibmaschinen mit Schnittstelle und zum Auslesen des Bildschirms verwendet werden. Wenn die Sprachausgabe keine Rückübersetzung der Kurzschrift eingebaut hat, kann nur Computerbraille "angenehm" verarbeitet werden. Mit den Knöpfen und Tasten an den Geräten können nicht alle Funktionen ausgelöst werden, daher müssen, besonders beim Auslesen des Bildschirms, Befehle über die Computertastatur eingegeben werden. - Im anglo- amerikanischen Sprachraum sind Sprachausgaben sehr stark verbreitet. 8. Brailledrucker Brailledrucker sind Geräte, die Daten über eine Schnittstelle (parallel oder seriell) erhalten und sie auf Endlospapier einseitig oder doppelseitig ausgeben. Das Drucken erfolgt nach unterschiedlichen Methoden: ? Ein Stift prägt zunächst die Punkte der obersten Reihe einer Zeile (Punkte 1 und 4) für alle Zeichen, dann wird das Papier etwas weiter geschoben, und die Punkte 2 und 5 werden für alle Zeichen geprägt usw. ? Eine Stiftreihe prägt gleichzeitig eine Punktreihe für alle Zeichen einer Zeile. ? Eine Stiftspalte prägt gleichzeitig eine Spalte eines Braillezeichens und bewegt sich waagrecht einmal über das Papier, bevor ein Papiervorschub erfolgt. ? Ein Braillezeichen wird gleichzeitig geprägt, dann das nächste einer Zeile. ? Eine Braillezeile wird gleichzeitig geprägt. Als Alternative gibt es für 1-zeilige Texte Prägemaschinen, ähnlich einem Dymoband. Man kann mit "Schwellpapier" erhabenen Druck über PC herstellen, auch Graphiken, aber dies ist relativ teuer. Durch die schnelle Verfügbarkeit von Informationen über CD und Internet usw. ist die Nachfrage nach Braille-Druck (-ern) jedoch gesunken. 9. Großschriftausgabe des Computerbildschirms Mit einem PC-Großschrift-Programm (GRS) wird ein Ausschnitt des Bildschirms mit wählbarer Vergrößerung auf einem Teilbereich des Bildschirms dargestellt. Während dabei früher nur die kleinen "Pixel" vergrößert und damit vergröbert wurden und allenfalls durch eine Kantenglättung verbessert, werden neue GRS-Programme mit Screen Readern verbunden, so dass Bildschirmelemente völlig umgestaltet werden können und eine Koordination mit einer Sprachausgabe möglich ist. Technische Hinweise und Unterscheidungsmerkmale: ? Programm: 'Software-GRS' oder 'Hardware-GRS' (Steckkarte) Software-GRS ist preiswerter, aber wegen der Hauptspeicherbelastung eventuell langsamer; wegen Unverträglichkeiten mit anderen Programmen kann es auch unsicherer sein. ? Es gibt kaum noch Hardware-GRS; dies ist viel teurer und Updates sind nicht möglich. Der Vorteil der Hardware wäre die Unabhängigkeit vom Betriebssystem. ? Bedienung: über den Monitor (Menüs; Maus oder Funktionstasten) oder Sonder- Tastatur mit Code-Nummern, ... ? Möglich wäre auch eine Pixel-Vergrößerung oder 'intelligente' Vergrößerung mit einem (DOS- oder Windows-) Screen- Reader. ? Der Soft-Scroll ermöglicht ein gleitendes, nicht sprunghaftes Weiterrücken des Bildes. ? Eine Kantenglättung ist besonders bei starker Vergrößerung wichtig. Je nach gewählter Vergrößerungsstufe werden einzelne Ausschnitte des Computerschirms gezeigt. Der Schirm des Sehbehinderten "bewegt sich" wie ein Fenster über den Computerbildschirm. Die Methode ähnelt derjenigen bei Braillezeilen, für die Gestaltung der Ausgabe wurden die Erfahrungen mit Bildschirmlesegeräten eingebracht und verarbeitet. 10. Bildschirmlesegeräte Bildschirmlesegerät mit Videokamera, Computer Bildschirmlesegeräte (irreführend oft "Fernsehlesegeräte" genannt): Mittels einer Videokamera wird eine Vorlage von einem beweglichen Lesetisch vergrößert auf einen darüber angeordneten Bildschirm projiziert. Dort sind Vergrößerungsstufen, Kontrast, Helligkeit u. a. einstellbar. 11. Sehgeschädigtenspezifische Software Im Laufe der technischen Entwicklung hatten Blinde zunächst nur über die Schnittstelle Zugang zu den Daten des Computers. Handelsübliche Programme lassen im Betriebssystem DOS die Ausgabe der Daten auf dem Bildschirm und parallel auf die Schnittstelle nur ganz selten zu. Die Bildschirmorientiertheit der Programme macht eine Bedienung über die Schnittstelle meist unmöglich. Dies war ein Grund, warum spezielle Programme für Blinde entwickelt wurden. Ein zweites Motiv liegt darin, dem Sehgeschädigten Programme anzubieten, in welche er sich relativ leicht einarbeiten kann. Solche Programme vermeiden übertriebene optische Effekte, übervolle Bildschirme, die Verwendung vieler Grafikzeichen. - Andere Programme wurden geschaffen, weil die Gruppe der Sehgeschädigten für manche Probleme spezielle Lösungen brauchte, z. B. die Übersetzung von Daten in die Blindenkurzschrift. Zugang zu handelsüblicher Software: Durch die heute bestehende Möglichkeit, den Inhalt des Bildschirms ohne "Umwege" auszulesen, können viele handels-übliche Programme benützt werden. Die Auswahl muss sorgfältig getroffen werden. Schwierigkeiten können z. B. durch große Unübersichtlichkeit und die Vollgrafik entstehen. D. Elektronische Hilfsmittel zur vergrößerten Bildwiedergabe für Sehbehinderte Der Sehsinn nimmt in der Erfassung unserer Umwelt eine zentrale Rolle ein. Ontogenetisch betrachtet steht der optische Sinn am Ende der Ausformung der Sinne, obwohl diese bereits nach der Geburt beginnt. Unterstützt von den anderen Sinnen wird er zum Hauptwerkzeug der Welterfassung. Gestützt durch die Aufmerksamkeit können mit seiner Hilfe optische Signale sehr rasch erfasst, verglichen, eingeordnet und gedeutet werden. Arbeitsplatz mit Bildschirmlesegerät und Sprachausgabe Die Überlegenheit eines optischen Signals liegt primär nicht darin, dass es quantitativ oder qualitativ reichere Informationen über einen Gegenstand, Sachverhalt oder Zusammenhang bietet, sondern weil es im räumlichen Zusammenhang, gestützt auf die Erfahrungswerte der restlichen Sinne, "Ferninterpretationen" erlaubt. Der Sehsinn ermöglicht also eine wesentliche Erweiterung unseres Erfahrungsraumes und stellt aber auch gleichzeitig das wichtigste "Abstraktionsinstrument" dar. Dies deswegen, weil der optisch erfasste Gegenstand, Sachverhalt oder Zusammenhang auf bestimmte "Abstraktionsniveaus" gebracht werden kann. Die Umwelt wird dadurch selektiver betrachtet und damit für den Einzelnen "informativer". Gesetzmäßigkeiten und isomorphe Ordnungsstrukturen können damit rascher erkannt werden. Die hervorragende Bedeutung des Sehsinnes findet ihren direkten Niederschlag in der zivilisatorischen und kulturellen Entwicklung des Menschen. Nicht zuletzt im sozialen Zusammenleben spielt das optische Signal eine zentrale Rolle. Liegt eine Einschränkung des Sehsinnes vor bzw. fehlt dieser überhaupt, so müssen der verbliebene Sehrest bzw. die Restsinne die Erfassung der Raumstrukturen übernehmen. Besonders dem Hörsinn kommt dann eine zentrale Bedeutung zu, da er als einziger eine weitere räumliche Erfassung zulässt. Die Verwendung vergrößernder Sehhilfen setzt die Einverleibung des Gesamtzusammenhangs bereits voraus, da durch die Vergrößerung immer nur Teile eines Ganzen dargestellt werden. ? Je größer der quantitative Ausfall an Sinneszellen bzw. die Beeinträchtigung der Sehschärfe ist, umso größer muss die quantitative Dichte der optischen Signale sein, die vom zu erkennenden Objekt bzw. Zeichen ausgehen. ? Bei einem Defekt kommt es bis zur Identifizierung eines Objektes bzw. Zeichens gegenüber einem Normalsichtigen zu zeitlichen Verzögerungen. Diese werden in jenen Fällen, die Ausfälle im Gesichtsfeld haben, noch verstärkt. Der Kopf muss ständig gewendet werden, um die verbliebenen "Sichtfenster" dem zu erkennenden Objekt zuzuwenden. ? Besonders die Personengruppe mit zentralen Gesichtsfeldausfällen profitiert von den bildvergrößernden elektronischen Hilfsmitteln. Durch die Vergrößerung ist es möglich, mit dem verbliebenen peripheren Rest die Wahrnehmungsfähigkeit zu steigern. ? Sind bei Makuladegenerationen größere Vergrößerungsstufen notwendig, so ist dies bei peripheren Netzhautausfällen mit einigermaßen intaktem Visus gerade umgekehrt. Bei der letztgenannten Gruppe werden sich starke Vergrößerungen auf Grund des "Fenstersehens" erheblich vermindernd auf die Sehleistung auswirken. Arbeitsplatz mit beweglicher Kamera zur Erfassung des Tafelbildes und Leselampen Ermöglichen bildvergrößernde elektronische Hilfsmittel auf der einen Seite einen rascheren Zugang zu Informationsträgern, so darf auf der anderen Seite nicht übersehen werden, dass dieser Vorteil durch eine erhöhte körperliche wie geistig- psychische Anstrengung erkauft wird und zur rascheren Ermüdung führt. Dies wird nicht nur vom Sehbehinderten selbst, der ja, je kleiner sein Sehrest ist, umso mehr von seinen konstitutionellen Reserven zehrt, übersehen werden, sondern auch von der fordernden Umwelt, die einen "funktionierenden" Mitarbeiter oder Schüler vor sich sieht. E. Elektronisch zur Verfügung gestellte Information Allgemeine Beschreibung: Die Zahl der elektronischen Informationssysteme nimmt zu. Da die meisten Informationen "in den Computer" gebracht werden können, sind sie für den Sehgeschädigten zugänglich, entweder, indem er mit den weiter oben beschriebenen Methoden den Bildschirm des Computers ausliest, oder, indem er sich mittels eines papierlosen Textspeichergerätes mit Terminalfunktion die Daten über die Schnittstelle holt. Entscheidend ist dabei immer, ob die von den Informationssystemen verwendeten Zeichen in ASCII-Zeichen umgewandelt werden können. a. Hörfunk, Fernsehen und Printmedien: Durch das große Gewicht optischer Reize unterscheiden sich sehgeschädigte von vollsinnigen Menschen in der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen aus der Umwelt. Dies gilt allerdings nur hinsichtlich der Menge der Information, nicht hinsichtlich der Qualität. Hörfunk und Fernsehen werden daher für viele Sehgeschädigte einen anderen Stellenwert haben als für Vollsinnige. Ähnliches gilt für die Printmedien. b. Elektronische Tageszeitung: Manche Tageszeitungen bereiten den Inhalt der aktuellen Zeitung elektronisch auf. Dieser wird dann dem Benutzer zugeschickt; ein spezielles Empfangsgerät wandelt die Daten um. Einen besonders breiten Zugang bietet das Internet Interessierten an. Eine große Angebotspalette von verschiedenen Tageszeitungen öffnet sich dem Leser. und gibt aktuelle Berichte wieder. c. Videotext - Teletext: Mitarbeiter des Rundfunks gestalten einen Informationsdienst, der "auf dem Rücken" der Wellen eines Fernsehprogramms transportiert wird. Die Informationen sind in Seiten gegliedert. - Viele Fernsehgeräte besitzen einen Teletextdecoder, aber nur wenige Geräte haben eine Schnittstelle, um die Daten weiter ausgeben zu können. ? den Computerbildschirm aus. d. Fernschreiben - Telex: Beschreibung: Diese Methode der Kommunikation wird schon mehrere Jahre verwendet. Früher bedurfte es spezieller Eingabe- und Empfangsgeräte, wobei Einschränkungen im Zeichensatz und in der Zeilenlänge bestehen. Heute ersetzen neue Dienste die relativ aufwändigen Geräte. Kontrollmöglichkeiten für Blinde: Neben dem Senden und Empfangen von Fernschreiben über neue Dienste besteht nach wie vor die Möglichkeit, die Daten über die Schnittstelle des Fernschreibers auf ein papierloses Textspeichergerät mit Terminalfunktion auszugeben. e. Fernkopierer Telefax: Seiten werden als Punktmuster aufgelöst und die Daten über Telefonleitung verschickt. Wenn das Telefax-Gerät als Computersteckkarte ausgeführt ist, sind die Daten zwar im Computer, aber in grafischer Form. Der Blinde kann dieses System generell benützen. Das empfangene Fax kann mit Hilfe von Texterkennungssystemen umgewandelt und damit dem Blinden zugänglich gemacht werden. f. Internet Der blinde/sehbehinderte Benutzer hat Zugang zu folgenden Internetdiensten: ? www-World Wide Web Multimedia: Text, Ton; eventuell auch Graphik und Video ? E-Mail Postversand ? FTP-File Transfer Protokoll Dateientransport (Downloads von Software) ? NEWS-Newsgroups Diskussion, Gedankenaustausch ? CHAT "Tratschen" Für den behinderten Menschen hat sich durch diese Möglichkeiten „ein Tor in die weite Welt" geöffnet. Internet bietet nicht nur allgemeines Informationsmaterial in Form von Bibliotheken, Zeitungen, Wetterdaten, Flugplänen, ... es gibt auch die Möglichkeit zu Teleshopping, Telebanking, Reise- und Zimmerbuchung. Darüber hinaus trägt es zur raschen und weltweiten Verbreitung von Nachrichten bei und bietet dem Einzelnen Infodienste in Form von Unterlagen für Referate, Projekte, ... Im Internet bietet sich auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch an, häufig ist eine Homepage eine erste Einladung dazu. F. Literatur Bücher: Krause, Werner: Übersicht über elektronische Hilfsmittel für Blinde und ihre Hersteller bzw. Vertreiber. Punkt- und Schwarzschriftausgabe. Bit-Zentrum des Bayrischen Blindenbundes, München Kieteubl, Friedrich: Der Zugang des sehbehinderten Menschen zum Computer. Seminararbeit im Rahmen des Informatik-Lehramtsstudiums. Wien Schmid, Erich: Lese- und Speichergeräte für Blinde. Hausarbeit im Rahmen der Ausbildung zum Blindenlehrer. Wien Schriften und Kassetten: Informationsschriften von Organisationen: Die im entsprechenden Abschnitt genannten Organisationen geben schriftlich oder auf Kassette Informationen über Hilfsmittel heraus. Internet: www.satis.de/links/06himilis Unter dieser Adresse finden Sie unter anderem eine aktuelle Liste der Firmen, die elektronische Hilfsmittel zur Verfügung stellen. www.dvbs-online.de/www/linksl.htm Unter dieser Adresse finden Sie das deutsche Angebot blindenspezifischer Informationen. G. Organisationen Deutscher Blinden und Sehbehindertenverband e. V. – DVBS Frauenbergstraße 8, D-3550 Marburg Zeitschrift Horus, Marburger Beiträge zur Integration Blinder und Sehbehinderter Fachgruppe Hilfsmittel des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes: derzeitige Leiterin Beate Hattinger , Hegelingasse 4 - 6 Eine Kassettenzeitschrift informiert über die Aktivitäten, Hilfsmittel ... Lehrmittelzentrale: Bundes-Blindenerziehungsinstitut, Wittelsbachstraße 5, 1020 Wien. Der sehbehinderte/blinde Mensch im digitalen Alltag 3