Fortbildungswoche für kosovarische Lehrerinnen und Lehrer, die mit blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern arbeiten.
Im April 2005 wurde das Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ Unterstützung
für die Blindenschule Peja fortgesetzt. Von 4. 4. bis 10. 4. 2005 besuchten
eine Kollegin und ein Kollege der Blindenschule Peja/ Kosovo eine weitere
Fortbildungsmaßnahme am Bundes-Blindenerziehungsinstitut. In dieser
Woche standen zwei Themen im Vordergrund: Orientierungs- und Mobilitätstraining
und Training der Lebenspraktischen Fertigkeiten. Beide Kollegen nahmen am
Unterricht der Trainer teil, sie absolvierten Selbsterfahrung unter der Augenbinde,
sie beobachteten und filmten die konkreten Trainingssituationen mit den Schülerinnen
und Schülern, es wurde ihnen theoretisches Grundwissen vermittelt und
sie konnten ihre aktuellen Fragen stellen. Ebenso hospitierten sie in Leibeserziehung.
Themenschwerpunkte:
• Essenstraining
• Erlernen der Unterschrift
• Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln
• Orientierung in fremder Umgebung
• Einkaufen in verschiedenen Geschäften
• Schulung handwerklicher Fähigkeiten
• ….
Da eine Kollegin die Unterrichtssequenzen filmisch festhielt, konnten die
erlernten Inhalte sehr anschaulich nach der Rückkehr in den Kosovo an
das Kollegium im Rahmen einer pädagogischen Konferenz weitergegeben werden.
Einige Maßnahmen, wie die Absolvierung des O&M- Trainings im Einzelunterricht
oder spezielle Anweisungen für die Essenssituation wurden sofort umgesetzt.
Der zweite Teil im Kalenderjahr 2005 wurde in der Woche vom 12. 12. bis 16.
12. durchgeführt. In dieser Woche waren zwei Kolleginnen und ein Kollege
am Bundes-Blindenerziehungsinstitut und haben weitere Fortbildungsmaßnahmen
in Anspruch genommen:
Fr. Ilirjana Shehu, Sonderpädagogin, derzeit als Sozialpädagogin
im Internatsbereich der Blindenschule tätig
Fr. Dr. Shqipe Krasniqi, Ärztin und Lehrerin an der Schule
Hr. Vilson Hajdari, Lehrer und Mobilitätstrainer
Fr. Ilirjana Shehu ist seit Beginn des Projektes (Dezember 2001) aktive Teilnehmerin an allen Fortbildungsmaßnahmen und kann mittlerweile als Expertin für den Kosovo bezeichnet werden. Sie zeichnet alle Seminare, Workshops und Unterrichtsbesuche auf Video auf und gibt das erworbene Wissen im Rahmen von Lehrerkonferenzen an die Lehrerinnen und Lehrer der Blindenschule Peja weiter. Sie setzt die Erkenntnisse der Blindenpädagogik in ihrer Arbeit sehr gezielt um.
Fr. Dr. Shqipe Krasniqi hat an den meisten Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen und sich vor allem im Bereich der Augenheilkunde und Visusbestimmung ein Grundwissen erworben. Sie versucht immer noch einen Facharztplatz für Augenheilkunde an der Universitätsklinik in Pristina zu bekommen.
Hr. Vilson Hajdari ist ein junger Kollege, der im Dezember 2005 seine vierte Fortbildungswoche absolviert hat. Er zeichnet sich durch Engagement und Offenheit gegenüber Neuem aus, daher wurde er in die engere Wahl bei der Ausbildung zum Experten der Blindenpädagogik gezogen. Sein Aufgabengebiet derzeit an der Blindenschule Peja ist das Orientierungs- und Mobilitätstraining.
In der Fortbildungswoche wurden Themengebiete, die schon behandelt wurden,
erweitert und vertieft:
• die Arbeit im Dunkellichtraum bei mehrfachbehinderten blinden Kindern
• die Arbeit im Wasserbettraum bei mehrfachbehinderten blinden Kindern
• Teilnahme an einer fachspezifischen Supervision
• Führung von Erstgesprächen mit den Eltern
• Kennen lernen verschiedener Testverfahren und Entwicklungsbeobachtungen
für blinde Kinder
• Theorie der visuellen Förderung
• Teilnahme an Augenuntersuchungen
• Vorstellen von verschiedenem Spielmaterial
• Kennen lernen eines sehbehinderten spezifischen Arbeitsplatzes für
jüngere Kinder (Computer, Einsatz von Hilfsmitteln, ...)
• O&M-Training unter der Augenbinde, Überqueren einer Kreuzung
Alle haben sich intensiv mit den angebotenen Inhalten beschäftigt und
deren Umsetzung an der Blindenschule Peja überlegt. In einigen Gesprächen
wurden aktuelle Probleme seitens der Kollegen aus Peja angesprochen, wie zB
die Zunahme verhaltensorigineller und mehrfachbehinderter Kinder. Am Abend
gab es Gelegenheit, diese Fragen bezüglich einiger Kinder in einer Fallanalyse
zu klären.
Am Ende der Woche wurde wieder der Wunsch geäußert, die Fortbildungsmaßnahmen
weiter zu führen.
Sehr erfreulich war der Bericht aus Peja über die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen bei unserem letzten Besuch im September 2004. Während der damals durchgeführten 14-tägigen Fortbildung wurden Schrägpulte und Light-Boxen angefertigt und in deren Gebrauch eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler wollen ohne diese Hilfsmittel nicht mehr arbeiten und verlangen ausdrücklich nach ihnen. Auch das Fallbeispiel einer Schülerin zeigte, dass sich der Einsatz ihres noch vorhandenen Sehvermögens durch gezielte Sehrestschulung deutlich verbessern ließ. Die von uns geschickten Lupen werden gezielt verwendet.
Im Frühjahr 2006 wird eine international tätige Expertin von „Licht
für die Welt“ (Christoffel Blindenmission) in den Kosovo fahren
und gemeinsam mit dem Direktor der Blindenschule Peja den Aufbau der Frühförderung
für sehgeschädigte Kinder besprechen. In diesem Bereich gibt es
im Kosovo noch keine unterstützenden Maßnahmen für betroffene
Eltern. Auch im Bereich der Frühförderung soll die Schule als Ressourcencenter
wirken.
Auch im Kalenderjahr 2006 wäre eine Fortsetzung des Projektes „Hilfe
zur Selbsthilfe“ wünschenswert. Um den Kolleginnen und Kollegen
Gelegenheit zu geben aktuelle blindenpädagogische Fragen zu erörtern
und konkrete Fallbeispiele zu besprechen, könnten Experten des Bundes-Blindenerziehungsinstitutes
an der Blindenschule Peja ein bis zwei Wochen arbeiten.
Mag. Eva Hannemann
Projektleiterin