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Partnerschaft Wien-Minsk



Wir nehmen nicht nur, wir geben auch!


Wie schon in den letzten Jahren wurde auch im Schuljahr 1999/2000 an den Elternsprechtagen und an den Tagen der offenen Tür von Schülern des BBI ein Buffet eingerichtet. In diesem Schuljahr trugen dafür Elisabeth Friesacher, Daniela Maukner, Martin Hinterhölzl und Gerald Hartel die Verantwortung. Bei der Vorbereitung halfen die Damen der Küche, Hausarbeiter stellten die Tische, Tischtücher mussten besorgt werden - kurzum, an die verschiedensten Dinge mussten die Schülerinnen und Schüler denken. Und dann folgten arbeitsintensive Tage bzw. Stunden; am Elternsprechtag waren dies nur wenige Stunden, an den Tagen der offenen Tür dauerte der Dienst jedoch von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr.

Stets freundlich und gut gelaunt wurden alle Gäste bedient, das Geschäft ging für unsere relativ kleine Schule sehr gut. Erfreulich war auch die Frequenz der Schüler- und Mitarbeiterbesuche am Buffet! Zwischendurch wurde immer wieder die Kasse überprüft und größere Geldbeträge kamen in Verwahrung. Die Endsumme sollte für einen guten Zweck bestimmt werden. Nach wirklich intensivem Arbeitseinsatz am Buffet trafen wir einander zum Zählen des Geldes. Scheine und Münzen wurden sortiert und schlussendlich konnten wir die stolze Summe von ATS 4.000,-- in den Safe sperren. - Nachdem Geld relativen Wert hat, sind ATS 4.000,-- einerseits viel andererseits wenig Geld. Eine Braillezeile kostet rund 170.000,--, also relativ viel. Ein PC kostet rund 20.000,--. Viel? Wenig? Ein Bleistift kostet rund 3,--, also relativ wenig. Uns war nicht wichtig, ob die erarbeitete Summe viel oder wenig war, sie sollte nur sinnvoll verwendet werden.

Nachdem der Besuch aus Minsk schon angekündigt war, entschlossen sich Elisabeth, Daniela, Martin und Gerald einen Teil des Geldes unseren Besuchern zukommen zu lassen, den Restbetrag sollte eine Kindergruppe der Schule bekommen. Noch hatten sie keine konkreten Vorstellungen, was angeschafft werden sollte. Das Geld ruhte einstweilen in drei Kuverts, wir ließen es nicht einmal wechseln.

Endlich war es soweit und die russischen Kinder kamen mit ihren Begleitpersonen nach Wien. Bald erfuhren wir, dass in ihrer Heimat Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Die Gäste nahmen bei uns auch am Unterricht teil und die Lehrerin erzählte uns, dass nicht einmal Unterrichtsmaterial in nötigem Ausmaß zur Verfügung stünde. Nach einer kurzfristig einberufenen Besprechung beschlossen die für das Buffet verantwortlichen Schülerinnen und Schüler, Lern-CDs für Englisch, Englischbücher für den Unterricht und Übungsbücher für Englisch anzukaufen. Um die CDs auch verwenden zu können, musste ein CD-Player angeschafft werden. Herr Koll. Keplinger war so nett und besorgte als Fachmann alle benötigten Utensilien. Groß war die Freude, sowohl bei den russischen als auch bei unseren Jugendlichen, als die Geschenke im Wert von ATS 2.584,-- beim Abschied übergeben werden konnten.

Gemeinsam zählten wir nun das Restgeld - es waren nahezu nur mehr Münzen vorhanden - und der Betrag von ATS 1.416,-- lag vor uns auf dem Tisch. Was sollte damit geschehen? Die Schülerinnen und Schüler beschlossen, das Geld Frau Mag. Hannemann für ihre zukünftige 1. VS zur Verfügung zu stellen, damit sie mit zusätzlichem Spielmaterial ihren Schulanfängern den Eintritt in die Schule noch schmackhafter machen kann. Im wahrsten Sinn des Wortes wurde ein Geldsack gepackt und am Ende der Schulschlussfeier von den Damen und Herren des Buffets an Frau Mag. Hannemann übergeben. Ergriffen vom Engagement der Jugendlichen steckte ein Ehrengast einen großen Geldschein noch dazu....

Elisabeth, Daniela, Martin und Gerald haben gelernt, was es heißt gemeinsam zu organisieren, Verantwortung zu tragen, einen Arbeitstag zu bewältigen, mit Geld umzugehen und zu entscheiden, dieses sinnvoll anzulegen. Sie haben aber genauso erfahren, wie sie durch ihren Arbeitseinsatz Freude bereitet haben. Und noch etwas: Sie haben mir versprochen, auch heuer das Buffet bei Elternsprechtagen und den Tagen der offenen Tür am 16. und 17. Mai 2001 zu übernehmen!

Susi Alteneder

In einem Gespräch mit dem Leiter der "Privatinitiative Hilfe für Minsk", Herrn Wilhelm WOLDRICH, bekam der Direktor Informationen über die Situation der Schüler und Lehrer in der Blindenschule in Minsk/Weißrussland. Von einem Besuch mit einer Blindensportgruppe in Minsk, mit einem kurzen Abstecher in die Blindenschule, kannte der Direktor ein wenig die Verhältnisse. Aus dem Kontakt mit Herrn Woldrich und der eigenen Kenntnislage entstand das Projekt "Partnerschaft mit der Blindenschule Minsk".

Am 15. Juni 2000 war es dann so weit, eine Schülergruppe (2 Buben und 3 Mädchen) kam mit 2 Begleitpersonen zu uns in das Bundes-Blindenerziehungsinstitut. Während des 2-wöchigen Aufenthaltes nahmen die Gäste aus Minsk am Unterricht in verschiedenen Klassen teil. Lehrausgänge, Ausflüge und andere gemeinsame Freizeitaktivitäten sollten die Schüler einander näher bringen und zum Gedankenaustausch über "Land und Leute", Kultur und Ausbildung anregen. In den Tagen des Aufenthalts wurden auch wirklich Freundschaften geschlossen und allen Beteiligten fiel der bevorstehende Abschied schwer.

In einer kleinen Verabschiedung am 29. Juni mussten wir uns von lieb gewonnenen Freunden trennen. Den ersten Kontakten sollten in Zukunft neue folgen und die Partnerschaft zwischen den Blindenschulen Minsk und Wien weiter vertieft werden.

OStR Prof. Franz Haslinger
Direktor