Johann Wilhelm Klein 1765 - 1848


wurde am 11. April 1765 in Alerheim bei Nördlingen, Deutschland geboren. Nach den Jugendjahren im Elternhaus besuchte er das Gymnasium in Stuttgart und später studierte er Jus. Er wurde dann Sekretär beim fürstlichen Oberamt in Alerheim / Harburg. Die im Gefolge der Revolutionskriege ausbrechenden Wirren in seiner Heimat, seine gesundheitlichen Schwierigkeiten, seine Unzufriedenheit mit seinen Aufgaben und Pflichten als Harburger Oberamtspfleger bewogen ihn 1799 nach Wien zu reisen. Es war ein Aufbruch ins Ungewisse, aber die liberalen und fortschrittlichen Verhältnisse in Österreich unter Josef II mögen ihn angezogen haben. Über seine ersten 4 Jahre in Wien ist wenig bekannt. Wahrscheinlich lebte er in sehr ärmlichen wirtschaftlichen Verhältnissen und bestritt seinen Unterhalt zumindest teilweise als Hauslehrer. Er wurde als Armenbezirksdirektor (heute würde man Sozialarbeiter sagen) ernannt und so hatte J. W. Klein mit vielen Blinden zu tun, die einen großen Anteil der Armen ausmachten. J. W. Klein begann am 13. Mai 1804 mit dem Unterricht eines blinden Buben aus Bruck / Leitha,

Jacob Braun,

den er zu sich in seine Privatwohnung 1030 Wien, Landstraße Nr. 34 nahm. Dieser Tag gilt als die Geburtsstunde der Blindenbildung in deutschsprachigen Ländern und speziell des heutigen Bundes-Blindenerziehungsinstitutes in Wien. Nach ca. einem Jahr Hausunterricht wurde der erste beschulte Blinde Österreichs vor einem großen Publikum einer Prüfung unterzogen. Das Ergebnis war für Klein und Jacob Braun großartig. Die Schulbehörde war begeistert. J. W. Klein durfte nun weitere Zöglinge aufnehmen und er selbst absolvierte seine Lehrerausbildung mit bestem Erfolg. Seine Lebensaufgabe war von nun an die Sorge um die Blinden, ihre Schulbildung, Erziehung und Berufsvorbereitung um sie zu möglichst vollwertigen Gliedern der Arbeitswelt und der menschlichen Gesellschaft zu machen. So richtete er 1826 in Wien - Josefstadt eine "Versorgungs- und Beschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde" ein. Erwähnenswert ist auch noch seine schriftstellerische Tätigkeit. So schrieb er unter anderem 1819 ein "Lehrbuch zum Unterrichte Blinder", ein Wegweiser für Generationen von Blindenlehrern. Am 12. Mai 1848 starb J. W. Klein nach einem erfüllten und außerordentlich erfolgreichen Leben in Wien und wurde am Wiener Zentralfriedhof begraben.