Im Spätherbst 2002 hatte sich Baldinger Michael schon richtig gut bei
uns eingewöhnt.
Er kam nach der vierten HS von Timelkam zu uns.
Seine Lehrer besuchten ihn und uns und dann kam noch ein besonderer Überraschungsgast:
Michael konnte es kaum glauben, sein Brieffreund aus Nicaragua erwartete ihn,
als er aus der Turnstunde kam.
Es wurde ein vergnüglicher Abend. Michi zeigte Frau Derflinger und Bismark
unsere Gruppe, auch die anderen Burschen freuten sich über den Besuch.
Nach dem gemeinsamen Abendessen konnte es Bismark kaum erwarten: er hatte
eine Kassette mit lateinamerikanischer Musik mitgebracht und schon wurden
wir von ihm und Frau Derflinger eingeweiht in den beschwingten Rhythmus seiner
Heimat.
Bis nach 21 Uhr dauerte unser Zusammensein. Ein neues Schulprojekt entstand.
Herlinde Derflinger
Europahof 4/14
4840 Vöcklabruck
Tel. 07672/23014
e-mail:h.derflinger@aon.at
6.01.2003Sehr geehrte Frau Direktor Alteneder!
Zum neuem Jahr möchte ich Ihnen alle guten Wünsche senden und lege gleichzeitig einige Bilder bei, die ich im Oktober anlässlich eines Artikels in den TIPS aus Matagalpa bekommen habe. Auch darüber eine kleine Beilage. Danke für Ihre großzügige Unterstützung im Frühjahr. Die ersten Schüler bekommen kursmäßigen Unterricht.
Im Moment habe ich nun einen ausführlichen Kostenvoranschlag für das Schuljahr 2003, (beginnt in Nicaragua im Februar und endet Mitte Dezember) aus Matagalpa über 3.000 US-Dollar vorliegen. Ebenso erstmalig habe ich einen viele Seiten umfassenden Bericht vom Blindenverband in Matagalpa. Hier soll erstmals eine Klasse für blinde Schüler eingerichtet werden und die Vorarbeiten laufen bereits. Für den Unterricht in Handfertigkeiten konnte ich noch im Dezember 3 Rollen eines Garnes als Spende einer Fabrik und kostenlos über DHL nach Nicaragua senden. Dank so großartiger Menschen, wie Sie es sind, hoffe ich auch noch das nötige Geld zu bekommen. Dies möchte ich meiner Tochter mitgeben, die nach längerer Zeit für 14 Tage Schiurlaub mit ihrer Familie im Februar aus Nicaragua nach Österreich kommt.
Haben Sie mal ein E-Mail aus Matagalpa bekommen? Nun ist der in Braille-Schrift von Ihrem Institut geschriebene Brief doch noch angekommen und Gloria bat mich, ihr Ihre E-Mail-Nummer zu schicken.
Ich hoffe Michael hat sich schon gut eingelebt. Bitte sagen Sie ihm herzliche
Grüße. Bismark geht es nicht sehr gut, da seine Mutter, die einzige
Ernährerin der Familie, erkrankt ist. Ich werde sehen, welche Medikamente
sie braucht. Vielleicht kann man diese schicken.
Für heute nochmals herzlichen Dank für Ihre großartige Unterstützung und viel Kraft und Energie für das neue Jahr.
Ihre
Herlinde Derflinger
Herlinde Derflinger
Europahof 4/14
4840 Vöcklabruck
Tel.: 07672/23014
e-mail: h.derflinger@aon.at
Frau Dir. Alteneder
Wittelsbachstr. 5
1020 Wien
Sehr geehrte Frau Direktor!
Nun ist es schon wieder einige Zeit her, dass ich mich gemeldet habe. In der September-Ausgabe "Unser Schaffen" ist ein Artikel über die Spendenaktion erschienen. Leider ist Ihre großzügige und sehr effiziente Unterstützung darin nicht erwähnt, obwohl ich diese mitgeteilt habe. Aber die Freude in Matagalpa war umso größer, als im Juli endlich die Containersendung einlangte.
Nun sind 65 Blindenstöcke und Blinden-Hilfsmittel und alle Schulmittel angekommen. Inzwischen habe ich auch einen nach Nicaragua reisenden lieben Menschen gefunden, der die von Frau Ostermann aus Burgenland gespendete Braille-Schreibmaschine mitgenommen hat. Gloria, die Präsidentin, ist sehr froh und dankbar für das gespendete Material. Es bedeutet für sie "eine geöffnete Tür der Zusammenarbeit". Sie freut sich sehr und bedankt sich bei allen Spendern aus Österreich und wird einen Brief schicken. Leider ist der von den Schülern in Wien geschriebene Brief noch immer verschollen. Mit E-Mail bittet sie, allen Lehrkräften und Schülern des Institutes herzliche Grüße aus Matagalpa zu übermitteln. Gloria hat im Juli, gleich nach Erhalt der Sendung, in Ihrer Wohnung vorerst mit jeweils 6 blinden Schülern einen Basis-Unterricht für je 3 Monate begonnen, um die wichtigsten Fertigkeiten für Blinde und auch Kenntnisse in der Braille-Blindenschrift zu vermitteln. Sie will damit die "Rehabilitation der Blinden", wie sie schreibt, einleiten. Von der Regierung gibt es keinerlei Hilfe.
Derzeit ist die Analphabetenrate im Land 32% und es gibt eine Arbeitslosenrate von 70%. Als ich diese sehr arme Region im Februar 2002 besuchte, mussten selbst Bauern betteln gehen und viele wollten lieber im Gefängnis 10 Stunden arbeiten, damit sie wenigstens eine Mahlzeit täglich und medizinische Versorgung erhalten würden.
Sollte in Ihrem Institut in der Zukunft eine Braille-Maschine frei werden, wäre das natürlich ganz toll, wenn wir diese für ein Kind in Nicaragua senden könnten. Ich habe auch vor, nächstes Jahr wieder nach Nicaragua zu fliegen.
Für die Schüler der Erzieherin Luise lege ich die von Blinden in Esteli angefertigte Hängematte bei und hoffe, dass sie Freude damit haben. Diese Hängematte kann während der Sommerzeit auch ständig im Freien gelassen werden, ohne dass die Feuchtigkeit schadet. Bismarck hat mir ein E-Mail geschickt. Er denkt gerne an Wien zurück und lässt alle herzlich grüßen, und natürlich Michael. Ich schließe mich da gerne an. Bismarck kann leider im Moment nicht zur Schule gehen, da seine Mutter erkrankt ist und er muss versuchen, Geld zu verdienen.
Nun hoffe ich, dass bald die angekündigten Fotos aus Esteli und Matagalpa eintreffen, aber ebenso würde ich mich über einige Fotos der Schüler Ihres Institutes, vielleicht auch von der Verfasserin des spanischen Briefes in Braille freuen. Glauben Sie, dass die Schüler einen Advent-Markt zugunsten des Blindenverbandes machen würden, wie von Ihnen angeregt wurde? Das Schuljahr endet in Nicaragua mit Mitte Dezember und beginnt wieder im Februar. Ich habe Bitten vorliegen, ob wieder Unterstützung aus Österreich kommt, damit der Schulbetrieb fortgesetzt werden kann.
Für heute liebe Grüße und danke für Ihr Verständnis
und Ihre Unterstützung sagt Ihnen
Ihre
Herlinde Derflinger
Sehr geehrte Frau Direktor Alteneder!
Zum Wochenende bin ich nach vier Wochen Aufenthalt in Nicaragua wieder gut
in Österreich gelandet. Vielerlei Eindrücke habe ich dabei von diesem
landschaftlich sehr reizvollen Land mitgenommen. Trotz aller Armut bin ich
immer wieder von der Herzlichkeit der Menschen überrascht. Es interessiert
sie nicht, wer du bist, sondern nur, wie du bist.
Die Lehrerinnen und Lehrer und der Präsident des Blindenvereines von Esteli, Rosalio Moreno Raudez, senden Ihnen persönlich ganz herzliche Grüße und danken für die nette Aufnahme von Bismarck im Oktober des Vorjahres. Ihn habe ich einige Male getroffen und er lässt alle Schüler der Gruppe der Erzieherin Luise und ganz besonders natürlich Michael grüßen. Er hat jetzt nach seinem Aufenthalt in Österreich erkannt, wie wichtig Fremdsprachen sind. Nach Ablegung der Prüfungen in der Grundstufe der Blindenschule will er einen Englischkurs absolvieren. Es gibt ganz wenig englisch Sprechende, da dies nicht in der Schule unterrichtet wird. Somit ist dies für ihn eine große Chance beruflich unterzukommen. Ein Bild des Stefansdoms hängt über seinem Bett und viele Jugendliche kommen zu ihm um seine Österreich-Postkarten anzusehen. Viele Bilder von Michael habe ich im Foto-Album der Schule vorgefunden. Als Zeichen der Verbundenheit senden die Lehrerinnen und Lehrer dieses T-Shirt für Michael. Es wurde von einer Organisation gespendet, die für die Rechte von behinderten Menschen kämpft.
In der letzten Woche in Nicaragua erhielt ich einen dringenden Anruf von Gloria aus Matagalpa. Seit zwei Jahren ist sie wegen Glaukom vollkommen erblindet. Ich fuhr sofort mit dem Bus los: Was ich dort sah und erfuhr, hat mich sehr berührt. Ungefähr 60 Blinde gibt es in der Stadt und 40 in der Umgebung. Sie sitzen in ihren Hütten und werden großteils vor der Gesellschaft versteckt. Sie sind in der Gesellschaft nicht respektiert. Gloria will dies ändern. Sie hat seit einigen Monaten einen Blindenverband gegründet und ist Präsidentin. Sie ist ca. 30 Jahre alt und hat durch ein Stipendium in Kuba eine Ausbildung bekommen. Ihr Wissen will sie weitervermitteln und eine Blindenschule gründen. Von der Regierung gibt es keinerlei Unterstützung. Die Blinden haben nichts hier: keine Blindenstöcke, um ihre Hütten zu verlassen, keine Stichel und Vorlagen um Braille-Schrift zu erlernen, kein Spezialpapier dazu, keine Stühle und keine Tische, aber viele positive Gedanken und den Wunsch vorwärts zu kommen. Ich habe meine Hilfe zugesagt und in langen Gesprächen eine Prioritätenliste mit ihnen erstellt. Gloria wäre glücklich, wenn sie gebrauchte Gegenstände bekommen könnte. Ende März geht ein Container von Oberösterreich nach Nicaragua und ich darf kostenlos Sachen mitschicken.
Sehr geehrte Frau Direktor Alteneder, können Sie mir dabei helfen oder wissen Sie einen Weg? 25 Schüler wollen im Moment in Matagalpa die Braille-Schrift erlernen. Gibt es zB gebrauchte Blindenschreibmaschinen oder Stichel und Vorlagen oder Papier in Ihrem Institut oder einen alten Kassettenrecorder zum Abhören von sprechender Bibliothek oder sonst Material, das Sie zur Verfügung stellen könnten? Wenn ja, bitte ich Sie um Ihren dringenden Anruf. Ich komme gerne nach Wien, um eventuell Sachen abzuholen.
Ich danke für Ihr Verständnis und die Zeit, die Sie für mein Anliegen opfern und grüße Sie und die Gruppe Ihrer Erzieherin ganz herzlich aus Vöcklabruck. Ich freue mich sehr, von Ihnen zu hören.
Ihre
Herlinde Derflinger