Bild: Folie von der Präsentation
Content

Thomas Kohlstedt, Berlin
Kommissarischer Leiter

Wie eben angekündigt, haben wir eine Berufsfachschule. Diese Berufsfachschule kann man besuchen, indem man vorher die eben aufgeführten Grundausbildungen, den Bereich "Wirtschaft und Verwaltung" erfolgreich absolviert hat, oder aber man ist sogenannter Quereinsteiger, davon haben wir zunehmend mehr. Das sind all diejenigen, die nach dem Abitur keine Anstellung bekommen haben, die nicht wissen, wie sie Zeiten überbrücken müssen und Rehabilitationsmaßnahmen. All diejenigen, versuchen über diesen Weg der Berufsfachschule einen Abschluss zu bekommen. Der heißt "Fachkraft für Büro- und Telekommunikation".

Wir haben eine sehr neue PC-Anlage, die eine Übungsfirma darstellt, die im Bereich der Wirtschaft alles das kopiert, was der erste Arbeitsmarkt fordert.

Wir haben alles vernetzt miteinander, haben natürlich Internet und Intranetanschluss, aber damit der reale Bezug auch zur Berufswelt gegeben ist, machen wir regelmäßig Praktika in all den Bereichen, wo Blinde und hochgradig Sehgeschädigte arbeiten können. Das ist uns sehr wichtig, weil unser Hauptziel die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt ist.

Wir haben eine Berufsschule. Diese Berufsschule ist nach dem klassischen System, "Duales Berufsschulsystem" nennen wir das, ausgerichtet. Das heißt, diese Schüler gehen 2 Tage zu uns in die Schule und 3 Tage sind sie im Betrieb. Diese Form der Berufsschule findet in dem Bereich "Medien- und Informationsdienste" statt.

Der große Bereich "Ambulanz- und Integrationsdienste" ist für uns eine Schlüsselfunktion, weil hier all diejenigen betreut werden, die nicht an unserer Schule sind. Das ist ein sehr großer Teil, das ist auch unser Ziel. Unser Ziel ist, dass alle Kinder möglichst integrativ beschult werden und dafür haben wir die Ambulanzdienste, die die Schüler wohnortnah betreuen. Das heißt, die Kinder gehen dort in die Schule, wo sie wohnen.

Für all diejenigen, die sich nicht eingliedern können in dieses System, das ich Ihnen eben gezeigt habe, weil sie weitere Handicaps haben, haben wir eine Schule für Lernbehinderte. Dieser Bereich nimmt immer mehr zu. Das gleiche gilt für den Bereich der Schule für Geistigbehinderte und schwerst Mehrfachbehinderte - auf diese Problematik gehe ich nachher noch kurz ein - und für all diejenigen, die sich mehr und viel genauer über unsere Schule informieren wollen, Sie können das viel besser im Internet auf unserer Homepage www.blindenschule-berlin.de nachlesen.

Ich möchte jetzt auf die inhaltlichen Fragen eingehen, die sich in letzter Zeit bei uns in der Schule zunehmend gestellt haben, insbesondere dadurch, dass wir eine neue Gesetzeslage haben in Berlin und da gehe ich mal am Anfang auf das Thema Grundschule ein.

Wir haben nicht mehr die klassische Grundschule, die mit der 1. Klasse anfängt, und alle Schüler beginnen mit der Schultüte und gehen in die 1. Klasse, sondern wir haben eine sogenannte Schuleingangsphase. Diese Schuleingangsphase ermöglicht es, dass Schüler, die besonders clever sind, in einem Jahr sie zu durchlaufen, oder in der Regel, Schüler in 2 Jahren, und für diejenigen, die zusätzliche Handicaps haben oder lernbehindert sind, 3 Jahre in dieser Schuleingangsphase bleiben. Sie alle wechseln dann in die 3. Jahrgangsstufe, sodass manche eben nur 1 Jahr, 2 oder 3 in dieser Schule sind.

Wir sind selber noch ganz unerfahren in diesem Bereich, weil wir das erst im nächsten Schuljahr beginnen werden, wir sind aber ganz hoffnungsfroh, dass wir viel flexibler auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen können, die ja doch sehr unterschiedlich sind, die wir vor uns haben.

Wir beginnen mit der Punktschrift im klassischen Sinne, mit 6-Punkt-Braille, um dann nach dem Schnittstellenmodell 3./4. Klasse, je nach individuellem Förderplan, die Schüler dann an das 8-Punkt-Braille-System zu gewöhnen. Das heißt, es wird da am PC gearbeitet. Wir haben das gesamte Schulsystem, also unsere Schule vernetzt und haben entsprechende Software und können zu jeder Zeit in allen Klassen PCs einsetzen mit Braillezeile und TFT. TFT haben wir deswegen anschaffen müssen, weil doch die hochgradig sehbehinderten Schüler sehr dicht an die Monitore gehen und TFTs sind bekanntlich ja ohne Strahlung und daher sind wir jetzt am Umrüsten.

Unser Schülerklientel hat sich sehr verändert. Ich sagte schon, dass wir einen schülerzahlmäßig zunehmenden Bereich in der Lern- und Geistigbehindertenschule haben, aber auch diejenigen, die nicht in diesem Bereich sind, haben wir doch eine Zunahme von Störungen aus dem sozial-emotionalen Bereich und aus dem psychiatrischem Bereich.

Das ist eine große Herausforderung für uns, der wir mit unterschiedlichen Maßnahmen begegnen, indem wir Fortbildungen anbieten, aber einige Dinge haben wir schon gemacht und die möchte ich Ihnen beispielhaft vorführen.

Rhythmik als Unterrichtsprinzip. Rhythmik ist eine integrierte Musik- und Bewegungspädagogik, wurde mir von der Kollegin, die das durchführt, einer Diplomrhythmikerin, erklärt. Und wir haben das so organisiert, dass die Kinder, die besonders Wahrnehmungsstörungen haben, verhaltensgestört sind und Rechenschwäche haben, durch diese Maßnahme im Rahmen des normalen Mathematikunterrichtes auch Rhythmik angeboten bekommen. Die Lehrerin, die dort unterrichtet, wird begleitet von dieser Diplomrhythmiklehrerin und kriegt ganz konkrete Tipps, wie das im Unterricht umgesetzt werden kann. Das hat sich sehr bewährt.

Eine andere Kollegin aus unserem Bereich hat sich auf Rhythmik, Musik, Tanz und Bewegung spezialisiert, um dieses auch in der Geistigbehinderten- und Lernbehindertenschule durchführen zu können. Sie hat inzwischen auch ein Buch darüber herausgegeben und eine CD, sodass jeder Lehrer das selber erlernen kann, um dieses Prinzip auch in den Schulalltag besser einfließen lassen zu können.

Dann haben wir das große Glück, eine Kollegin zu haben, die sowohl Blindenpädagogin als auch Reitlehrerin ist, und wir können Reittherapie anbieten. Hier werden besonders die Kinder gefördert, die nicht nur Wahrnehmungsstörungen haben, sondern auch autistische Störungen und dieser Bereich nimmt auch zu. Wir machen dieses im Rahmen des normalen Unterrichtes. Also im Sportunterricht wird dann Reittherapie eingeführt und entsprechend im Stundenplan eingebaut.

Wir bieten Segeln für Blinde an und wir haben Wassertherapie. Schwimmen ist für uns ein ganz wichtiges Moment. Gerade, weil hier Blinde sich frei bewegen können und diese Wassertherapie ist für uns etwas ganz Neues, weil wir ja einen Austausch mit Australien haben. Ein Kollege aus Australien ist zu uns nach Berlin gekommen, und eine Kollegin von uns ist nach Australien gegangen.

Dieser Kollege ist jetzt erst 14 Tage in Deutschland, also bei uns in der Schule. Wir wissen noch gar nicht genau, wie das aussieht, er ist ganz begeistert von seinen Erfahrungen und wir sind ganz gespannt, was unser neuer Kollege aus Australien uns alles an neuen Ideen mitbringen wird.

In diesem Sinne möchte ich schließen mit dem Satz von Pestalozzi, ein Zeitgenosse von Klein und Zeune: "Es ist das Los des Menschen, dass die Wahrheit keiner hat. Sie haben sie alle, aber verteilt, und wer nur bei einem lernt, der vernimmt nie, was die andern wissen."

In diesem Sinne freue ich mich auf die Vorträge meiner nachfolgen Kollegen und bedanke mich fürs Zuhören.