Internat & Hort

INTERNAT

Das Internat bietet Wohnraum für blinde oder hochgradig sehbehinderte Kinder und Jugendliche sowie für Kinder und Jugendliche mit Mehrfachbehinderungen, die den täglichen Schulweg nicht bewältigen können und/oder deren Eltern freiwillig diese Wahl getroffen haben.

Die Anzahl jener Mädchen und Buben, die in Wien zu Hause sind und kein gedeihliches familiäres Umfeld vorfinden, steigt stetig an. Auch diese Kinder und Jugendlichen leben in Übereinkunft mit den Ämtern für Jugend und Familie im Internat.

Moderne Internatspädagogik für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche hat einen eigenen Bildungsauftrag und grenzt sich durch eigene Inhalte, Methoden und Ziele von schulischen Inhalten ab.

HORT

Der Hort unterstützt Mädchen und Buben bei der Aufgabenbewältigung und bietet verschiedene Angebote zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung an. Ein zusätzliches Angebot besteht in der Vermittlung lebenspraktischer Fertigkeiten.

DAS PÄDAGOGISCHE TEAM

Besteht aus der Leitung und ausgebildeten Fachkräften in den Bereichen: Sozialpädagogik, Sondersozialpädagogik, Heilpädagogik und Behindertenbetreuung

 

Zusätzliches Personal

Helferinnen, Zivildiener, Psychologin, ärztliche Fachabteilung, Krankenschwester, Reinigungspersonal, Küchenpersonal, Hausarbeiter, Portier

WOHNFORMEN

9 Wohngruppen mit intensiver sozialpädagogischer Betreuung

1 Wohngruppe für beinahe erwachsene Schüler und Schülerinnen mit sozial-pädagogischer Begleitung und dem Schwerpunkt Vorbereitung auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben.

1. Wohngruppen mit intensiver sozialpädagogischer Betreuung

Unser Motto lautet: „Erziehung durch Beziehung“ und dieser Grundsatz legt die Rahmenbedingungen für die Bewohneranzahl und den Betreuerschlüssel fest.

Die Erziehung, Begleitung und Förderung erfolgt in 9 familienähnlichen Kleingruppen mit Bewohnerzahlen von 3 (Schwerstbehindertengruppe) bis maximal 6 (hochgradig sehbehinderte Jugendliche ohne Zusatzbehinderungen) Schülerinnen und Schüler.

Die Anzahl der Gruppenmitglieder ist von der benötigten Betreuungsintensität und dem Restsehvermögen abhängig.

Bei der Ermittlung der Bewohnerzahl zählt ein blinder Schüler/Schülerin doppelt und ein schwerstbehinderter Schüler/Schülerin dreifach.

Jedes Betreuerteam besteht aus zwei bis drei (bei Teilzeitkräften) Sozial-pädagoginnen oder Sozialpädagogen. Der Dienst im Vollinternat erfolgt im Wechseldienst und dauert für den diensthabenden Pädagogen/Pädagogin von 11.30h oder 12.30h bis 8.30h am nächsten Tag. Am Vormittag befinden sich alle Schülerinnen und Schüler in der Schule.

Heilpädagogische Gruppen haben auch noch eine Helferin oder einen Zivildiener zur Unterstützung.

Frühstück und Abendessen werden auf den Internatsgruppen vorbereitet und eingenommen, das Mittagessen erfolgt im gemeinsamen Speisesaal. In den heilpädagogischen Gruppen wird aus pädagogischen Gründen auch das Mittagessen in der Gruppe eingenommen.

 

Tagesablauf im Internat

Nach dem Wecken treffen sich die Gruppenmitglieder um 7 Uhr beim Frühstück.

Von 8 Uhr bis mittags sind alle Schüler im Unterricht.

Das gemeinsame Mittagessen im Speisesaal wird um 12:40 eingenommen, danach ist bis 13:30 Freizeit.

Der Nachmittag ist mit Unterricht, Erledigung der Hausübungen und Erlernen lebenspraktischer Fertigkeiten meist ausgefüllt. Für Freizeit bleibt bei den größeren Schülern und Schülerinnen während der Woche nur an den Abenden ausreichend Zeit

Ein weiterer Fixpunkt ist das Abendessen um 18 Uhr auf den jeweiligen Gruppen.

Der Abend wird entweder individuell oder durch Gruppenaktivitäten gestaltet.

Die Nachtruhe ist altersabhängig.

2. Wohngruppe für beinahe erwachsene Schüler und Schülerinnen mit sozialpädagogischer Begleitung

Zielgruppe: Jugendliche, die 1 – 2 Jahre vor ihrem Berufsabschluss stehen

Gruppengröße: maximal 5 weibliche und männliche Jugendliche

Betreuer: 2 Sozialpädagoginnen im Wechseldienst, zuständig für die Erarbeitung und Durchführung der jeweiligen Förderpläne

Ziel: Eine weitestgehend selbstständige Bewältigung des Lebensalltages nach dem Austritt aus dem Internat des BBI

Wesentliche Inhalte dieser Zielvereinbarung:

Selbstständige Versorgung und Zubereitung von Frühstück, Abendessen

Einkäufe ( Kleidung, Schuhe, Kosmetika, Lebensmittel….)

Erledigung diverser Behördenwege ( Wohnungsfrage etc.)

Hinführung zur Zubereitung von Mittagessen an den Wochenenden

Reinigung von Zimmer, Bad, WC

Waschen und bügeln der persönlichen Wäsche

Erarbeitung von Berufsperspektiven

Umgang mit Geld – Kontoführung, Haushaltsbudgetierung etc.

Die detaillierten Zielvereinbarungen und schriftlichen Planungen der einzelnen Teilschritte erfolgt in eigenen Förderplänen und in Übereinstimmung mit den Jugendlichen selbst.

Die Erlangung der geplanten Ziele erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den LPF- und Mobilitätstrainern des Blindenverbandes und des BBI.

 

Wochenende

Das Internat ist 14-tägig für jene Schüler geöffnet, die eine weite Anreise aus den Bundesländern haben. Diese Wochenenden werden von den Schülerinnen und Schülern mit den Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen möglichst individuell gestaltet und dienen vor allem der sinnvollen Freizeitgestaltung

PÄDAGOGISCHES KONZEPT

Der Eintritt in ein Internat bedeutet, dass vorhandene Bindungen und Gewohnheiten zumindest zeitweise abgebrochen werden. Das Kind muss sich an eine neue soziale Umwelt anpassen und sich an neue Wertsysteme und Regeln gewöhnen. Dies bedeutet eine tiefgreifende Veränderung im Leben dieses jungen Menschen.

Unser Betreuungskonzept beinhaltet die ganzheitliche Förderung der Kinder und Jugendlichen mit dem Ziel, ihre Fähigkeiten und Stärken zu finden, um zu einer möglichst selbstbestimmten, eigenständigen Lebensführung zu gelangen. Art und Umfang der Förderung wird dabei vom Kind und seinen individuellen Bedürfnissen und Lernvoraussetzungen abhängig gemacht.

Das Zusammenleben in familienähnlichen Kleingruppen bildet für die Ermittlung der individuellen pädagogischen Maßnahmen die Voraussetzung. Je höher die Anzahl der Gruppenmitglieder, desto weniger Zeit bleibt für persönliche Beobachtungen durch die Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen. Wir geben Eltern keine Anweisungen, sondern der Dialog steht im Vordergrund unseres Handelns.

Wir verstehen uns als familienunterstützende Einrichtung und respektieren die Kompetenz der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder.

Dabei ist uns die Vermittlung folgender Werte wichtig:

  • Achtung vor der Persönlichkeit des Anderen
  • Gegenseitige Rücksichtnahme, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft
  • Mitverantwortung gegenüber der Gemeinschaft
  • Einhaltung gemeinsam erstellter Regeln
  • Ordnung in der eigenen Lebensführung

INHALTLICHE SCHWERPUNKTE UNSERER ARBEIT

  • Aufbau von Selbstvertrauen, Eigeninitiative und Erlebnisfähigkeit
  • Wertevermittlung
  • Lernhilfe
  • Vermittlung lebenspraktischer Fertigkeiten
  • Vermittlung sozialer Kompetenzen
  • Hilfestellung in Krisensituationen
  • Erfüllung emotionaler Grundbedürfnisse
  • Erarbeitung von Zukunftsperspektiven
  • Förderung sinnvollen Freizeitverhaltens
  • Erlernen von Konfliktlösungsstrategien
  • Zusammenarbeit mit Elternhaus und Schule

Einige Schwerpunkte im Detail:

· Vermittlung lebenspraktischer Fertigkeiten

Lebenspraktische Fertigkeiten bedingen die Kenntnis von Funktionsabläufen und effektiven Hilfen und Methoden, vermittelt von eigenen Rehabilitationstrainerinnen.

Im Internat und Hort werden die gelehrten Fertigkeiten geübt und gefestigt.

Zu den geförderten Bereichen zählen:

  • Körperpflege
  • Hygienetraining
  • An- und Ausziehtechniken
  • Kleiderwahl und Kleiderpflege
  • Ordnungsarbeiten
  • Essenstraining
  • Zubereitung von Frühstück und kleinen Mahlzeiten
  • Lernen der eigenen Unterschrift
  • Kommunikation etc.

· Lernbetreuung

In Form von:

  • Unterstützenden Hilfen bei der Erledigung der Hausaufgaben
  • Lernvorbereitung für Schularbeiten
  • Hilfen zur Verbesserung der Konzentration
  • Vermittlung von Lerntechniken
  • Hilfen zur Verbesserung der Arbeitshaltung

· Hilfestellung bei Krisenbewältigung

Junge Menschen, die mit einer lebensverändernden Erkrankung/Behinderung konfrontiert sind oder werden, erleben tiefgreifende Lebenskrisen.

Das Betreuerteam hilft bei der Auseinandersetzung mit der Behinderung durch:

  • Gespräche
  • Kompetenzerweiterung in Bezug auf die eigene Augenerkrankung
  • Gemeinsames Erarbeiten neuer Lebensperspektiven
  • Verständnis und Geduld bei behinderungsbedingten Aggressionshandlungen
  • Hinweise auf Selbsthilfegruppen…

Im Team mit Psychologin und Neurologen werden zusätzliche helfende Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt. Im Bedarfsfall wird Hilfe durch hausfremde Therapeuten in Anspruch genommen.

· Freizeitbereich

Ein wichtiges Ziel ist das Aufzeigen und Anbieten von unterschiedlichen Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung. Neben den auf allen Gruppen vorhandenen Musikinstrumenten und elektronischen Unterhaltungsgeräten bieten wir auch sportliche und kulturelle Aktivitäten an.

Sportliche Aktivitäten

Zu den vielfältigen sportlichen Angeboten zählen Fußball, Schwimmen, Laufen, Judo, Tandem-Radfahren, Kegeln, Bootfahren..

Kulturelle Aktivitäten

Künstlerische Begabungen unserer Schüler und Schülerinnen werden durch folgende Angebote gefördert und unterstützt:

  • Chor
  • Hausband
  • Theatergruppe
  • Erlernen von Musikinstrumenten
  • Mal- und Kreativworkshops
  • Museen, Musical, Kino, Theater….

Rhythmische und musiktherapeutische Angebote

Rhythmik bietet blinden Kindern einen weiten Raum für lustvolles, kreatives Lernen im Bereich der Musik und der Bewegung.

Die vielfältige Kombination von Instrumenten, Singen und Bewegung steigert die differenzierte akustische und sensorische Wahrnehmung, Konzentration und Kommunikation.

Die Kinder lernen

  • spontaner und selbstbewusster zu handeln
  • sich selbst im Musizieren bewusst wahrzunehmen
  • singen und trommeln
  • Erfassen von Zeitabläufen und Rhythmen
  • Spannung halten
  • aus der eigenen Musik Lebensfreude schöpfen

Rhythmik wird derzeit durch Sponsoring ermöglicht.

Mobilität

Blindheit und hochgradige Sehbehinderung schränken Orientierungs- und Bewegungsmöglichkeiten ein. Abhängigkeit und geringe Selbstständigkeit sind mögliche Auswirkungen.

In Zusammenarbeit mit unseren Orientierungs- und Mobilitätstrainern wird den Schülerinnen und Schülern Hilfestellung zu größtmöglicher Selbständigkeit geboten

DER HORT

Das pädagogische Konzept und die inhaltlichen Schwerpunkte der Horterziehung decken sich mit denen des Internates.

Ein Schwerpunkt der Horterziehung dient der intensiven Aufgabenbetreuung, dennoch ist es uns wichtig, auf den eigenständigen Bildungsauftrag des Hortes für blinde und hochgradig sehbehinderte Kinder hinzuweisen. Die Erziehung und Förderung dieser jungen Menschen bedarf der Einbeziehung der gesamten Persönlichkeit und dient nicht ausschließlich der Erfüllung schulischer Anforderungen.